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Montag, 5. September 2016

Römerfest 2016: Geomatik trifft Archäologie

Augusta Raurica virtuell und 360° – dank FHNW-Hightech

16'000 begeisterte Besucherinnen und Besucher begaben sich trotz Hitze am diesjährigen Römerfest Augusta Raurica auf eine Zeitreise in die Römerzeit. Das Institut Vermessung und Geoinformation (IVGI) der FHNW war mit einem viel bestaunten Stand mit dabei!

Stand am Römerfest und reger Austausch mit Bevölkerung
Mit viel Engagement boten die Mitarbeitenden des IVGI gemeinsam mit Geomatik-Lernenden aus der Region Basel spannende Einblicke in neuartige Geomatik-Anwendungen. So konnte das Publikum virtuell in die Römerstadt vor 2000 Jahren eintauchen. Mit Virtual Reality-Brillen konnte Gross und Klein während eines atemberaubenden Steigfluges 360° in alle Richtungen Blicke auf die Römerstadt werfen. Dabei musste sich nicht nur so manches Kind erst einmal festhalten!

Achtung Festhalten: Virtuelle Zeitreise in die historische Römerstadt
Achtung Festhalten: Virtuelle Zeitreise in die historische Römerstadt

Wer lieber am Boden bleiben wollte, konnte sich auf einen virtuellen Stadtrundgang begeben:
durch eine luxuriöse Römervilla schlendern, im Forum römischen Soldaten hinterher marschieren oder sich durch die Zentralthermen schwitzen.

Virtueller Stadtrundgang in Augusta Raurica vor 2000 Jahren
Viele Kinder nahmen auch mit Freude am Distanzmesswettbewerb teil. Um die ausgesteckte Distanz in Fuss abzuschätzen, durften sie in Römersandalen schlüpfen. Zu gewinnen gab es tolle Preise - u.a. zwei Laserdistanzmessgeräte (Leica DISTO D110).

Wettbewerb: mit Hilfe von Römersandalen Distanzen vermessen
Die 'Zeitreisenden' waren ausnahmslos begeistert und die Gelegenheit, Fragen zu stellen, wurde rege genutzt. Wir haben uns sehr gefreut über die vielen positiven Reaktionen, faszinierten Kinderaugen, spannende Gespräche und die einmalige Atmosphäre des Römerfestes. Wir hoffen, die vielfältigen Möglichkeiten der Geomatik der breiten Bevölkerung etwas näher gebracht und vielleicht die eine oder der andere gar von der Faszination Geomatik 'angesteckt' zu haben.

Spannende Gespräche und begeisterte Reaktionen des Publikums



Mittwoch, 23. März 2016

App in die Römerzeit!

Stephan Nebiker bei der Präsentation der App an der
Jahresmedienkonferenz von Augusta Raurica
Mit der neuen App für Augusta Raurica, welche das Institut Vermessung und Geoinformation (IVGI) der FHNW in Zusammenarbeit mit dem wissenschaftlichen Team der Römerstadt entwickelt hat, wird Unsichtbares sichtbar, denn grosse Teile der antiken Römerstadt sind heute leider verschwunden oder verborgen.
Dank der neuen App wird es jetzt spannend und plötzlich sichtbar, dass die grüne Wiese im Vorfeld der Theaterruine in der Zeit um 200 nach Christus ein dicht bebautes, pulsierendes Stadtquartier war.
Interaktive Strassenszene in der Augusta Raurica App
Die App kann aber nicht nur vor Ort, sondern auch gemütlich vom heimischen Sofa aus studiert werden, beispielsweise mit der interaktiven 3D-Karte. Vor Ort bietet die App eine Führung vom Bus-Parkplatz bis zum Museum samt dreisprachigem Audio-Guide und Zusatzinfos in Text und Bild.
Mit einem interaktiven Panoramabild einer lokalen Strassenszene können Besucherinnen und Besucher erkunden, wie es an identischer Stelle vor 2000 Jahren ausgesehen hat und wie geschäftig es im heute eher beschaulichen Augst damals zu und her ging.
Das audiovisuelle Abtauchen in die Römerzeit vor 2000 Jahren nennt die Fachwelt "Augmented Reality". Auf dem Weg zur computergestützten Erweiterung der Realitätswahrnehmung durch verortete Informationen wird die App-Version 1.0 allerdings bloss der erste Schritt sein. Das IVGI-Entwicklungsteam um Martin Christen und Stephan Nebiker denkt bereits über wesentlich leistungsstärkere Folgeversionen nach, dank denen man von einem beliebigen Standort aus jene Ansicht simulieren und überlagern kann, die sich einem Römer an der genau gleichen Stelle vor 2000 Jahren geboten hätte.
Screenshot: Karte mit den 4 Posten
Bei der Entwicklung der kostenlosen App, welche ab sofort für Android-Smartphones und in Kürze für iPhones heruntergeladen werden kann, konnte die Römerstadt auf die langjährige Zusammenarbeit mit der FHNW und deren Fachwissen zurückgreifen. So waren Dozenten und Studierende des IVGI vor drei Jahren bereits an der Realisierung des grossen Bronzemodells von Augusta Raurica beteiligt.

Die App „Unsichtbares sichtbar machen“für Android und iPhone erhältlich:

App im Android Play Store 
App im Apple App-Store


Projekteam:

Martin Christen
Dozent für Geoinformatik

Prof. Dr. Stephan Nebiker
Dozent für Photogrammetrie, Fernerkundung und Geoinformatik

Stefan Blaser
Wissenschaftlicher Mitarbeiter

Donnerstag, 19. Dezember 2013

Grosses Bronzemodell der Römerstadt Augusta Raurica eingeweiht


Am 17. Dezember 2013 wurde in der Römerstadt Augusta Raurica das grösste Bronzemodell enthüllt, das je von einer römischen Stadt angefertigt wurde. Das Modell steht frei zugänglich im Zentrum von Augusta Raurica und vermittelt den zukünftigen Besucherinnen und Besuchern einen Eindruck von der Grösse und Pracht der antiken Stadt. Das Bronzemodell ist das Resultat einer engen Zusammenarbeit der Römerstadt Augusta Raurica, des Instituts Vermessung und Geoinformation (IVGI) der FHNW und den Firmen Visual Data Systems AG in Arlesheim und der Kunstbetrieb AG Münchenstein.

Das (vor-)weihnachtlich verpackte Modell an der Eröffnungsfeier

Die Anwesenden bestaunen das enthüllte Bronzemodell der gesamten Römerstadt

Vom digitalen 3D-Modell …

Bei der Erstellung des eindrücklichen Modells im Massstab von 1:500 mit einer Dimension von 4.8 x 2.8 Meter und einer Fläche von 13 Quadratmetern wurde auf der ganzen Linie Neuland beschritten. Auf der Basis des modernen Grabungs-Geoinformationssystems der Römerstadt generierten unter der Leitung von Prof. Stephan Nebiker Studierende und Mitarbeitende des IVGI mit Hilfe prozeduraler 3D-Modellierungsansätze und in enger Zusammenarbeit mit Markus Schaub, wissenschaftlicher Mitarbeiter der Römerstadt, ein digitales 3D-Modell der historischen Römerstadt. Mit Hilfe der prozeduralen 3D-Modellierungssoftware CityEngine der Firma ESRI konnten dabei archäologisches Faktenwissen und Hypothesen über Gebäudetypen, Gebäudehöhen, Dachneigungen sowie etwa die typischen Säulengänge (Portiken) in Konstruktionsregeln übersetzt und darauf basierend das 3D-Modell automatisiert generiert und laufend adaptiert werden.

Die Basis: das digitale 3D-Modell des IVGI

 … über den 3D-Druck …

Das digitale 3D-Modell wurde anschliessend von der Firma Visual Data Systems in ca. 180 Teilstücke unterteilt und mit 3D-Druckern des Herstellers Z Corporation gedruckt. Zum Einsatz kam dabei ein Inkjet-Verfahren, bei dem ein gipsartiges Pulver in einer Baukammer schichtweise verhärtet wird.
Das Modell als Puzzle von 180 Teilen aus dem 3D-Drucker. (Foto (c) Römerstadt Augusta Raurica)

… und den Bronzeguss …

Die so gedruckten Teilmodelle dienten bei der Kunstbetrieb AG im nächsten Schritt als 3D-Vorlagen für die mehrstufige Erstellung der schlussendlichen Bronzegussformen für die einzelnen Bauteile des Modells. Diese wurden anschliessend von den Kunsthandwerks-Fachleuten zu einem Gesamtmodell verschweisst.

Die einzelnen Bronzeteile werden zum Gesamtmodell zusammengesetzt. (Foto (c) Römerstadt Augusta Raurica)

… zum eindrücklichen Gesamtmodell

Seit dem 17. Dezember kann nun das Gesamtmodell in Augst auf dem neuen Platz zwischen dem Römermuseum und dem antiken Theater in seiner vollen Pracht und aus den unterschiedlichsten Perspektiven betrachtet und von Jung und Alt erforscht werden.
Ansicht des fertig gestellten Bronzemodells von Augusta Raurica aus südlicher Blickrichtung - bei nächtlicher Beleuchtung am Eröffnungstag. 
Kontaktpersonen: Prof. Dr. Stephan Nebiker (stephan.nebiker@fhnw.ch) und Stefan Cavegn (stefan.cavegn@fhnw.ch)

Freitag, 5. September 2008

Projektarbeit aus der Klasse G4: Augusta Raurica

Seit 2005 verfügt die Abteilung Ausgrabungen Augst/Kaiseraugst über ein geografisches Informationssystem, in welchem nach und nach alle Grabungsarbeiten aus unterschiedlichen Zeitepochen integriert werden sollen. Als Grundlage für die Verwaltung dienen digitale, georeferenzierte Katasterpläne welche in einer Projektarbeit mit Studierenden des 4. Semesters erstellt wurden. Durch den unterschiedlichen Karteninhalt, der teilweise heute in der Form, wie damals abgebildet, gar nicht mehr existiert, war es teilweise eine grosse Herausforderung, die Grundlagenkarten (vgl. Abb.) möglichst genau im Raum zu referenzieren. Es handelte sich dabei um 105 Pläne welche zurückreichen bis ins Jahr 1792.

Mit Hilfe von Fixpunkten und anderen situationsbezogenen Objekten der amtlichen Vermessung konnten die alten Pläne in einen Bezug zum heutigen Koordinatensystem gebracht werden. Somit steht den Archäologen von Augusta Raurica nun eine umfangreiche Kartengrundlage aus unterschiedlichen Epochen zur Verfügung, welche als Referenz für die digitale Dokumentation der Ausgrabungen zur Verfügung steht.


Projektbearbeitung: Marco Brodbeck und Patrick Bischofberger