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Donnerstag, 12. Januar 2017

Studierende berichten: Auslandssemester an der University of Calgary in Kanada

Bereits vor Beginn meines Master-Studiums habe ich von der Möglichkeit eines Auslandssemesters an der University of Calgary (UofC) gehört und war motiviert diese auch zu nutzen. So konnte ich die Planung des Studiums auf den Auslandaufenthalt auslegen und dank der flexiblen Struktur des MSE die 90 erforderlichen Credits auf vier Semester verteilen. Durch die Vereinbarung zwischen den Instituten in Muttenz und Calgary gestaltet sich der Anmeldeprozess auch sehr unkompliziert (wenn dann einmal die richtigen Formulare und Kontaktpersonen gefunden sind). Eingeschrieben habe ich mich für das Herbstsemester 2016 in zwei Module zu den Themen Estimation for Navigation und Optical Imaging Metrology. Zusätzlich konnte ich auch das Vertiefungsprojekt an der UofC absolvieren.
Skifahren bei Lake Louis

Vor dem Semesterstart wurden die Sommerferien für eine Reise durch Kanada genutzt. Dabei ging es mit dem Auto oder Camper von Vancouver durch die Rocky Mountains, nach Seattle und einmal um Vancouver Island. Dabei begeisterte besonders die abwechslungsreiche Landschaft, die Wildtiere und die für Schweizer Verhältnisse endlosen Weiten.
Wanderung in den Rocky Mountains
Einmal in Calgary angekommen startete das Semester im September mit einer Orientation Week wo man eine Übersicht über die Universität bekam und erste Kontakte knüpfen konnte. Die UofC hat etwas über 30‘000 Studierende über die unterschiedlichsten Studiengänge verteilt. Geomatik studieren etwa 115 im Bachelor und 100 in den Graduate-Studies (Master und PhD). Gewohnt habe ich während dem Semester in einem Studentenwohnheim direkt auf dem Campus. Besonders in der kalten Jahreszeit mit Temperaturen konstant unter -20° ist der kurze Schulweg sehr empfehlenswert. Zudem ist es die einfachste Möglichkeit, aus der Ferne ein Zimmer für ein Semester zu finden. Die zwei gewählten Kurse waren beides Geomatik-Module auf Stufe Graduate Studies mit je 12 Studierenden. Davon waren etwa zur Hälfte Master-Studierende und zur Hälfte Doktorierende. Besonders überraschend war für mich der grosse Anteil an internationalen Studierenden, nur gerade ein Bruchteil war aus Kanada. Diese Durchmischung machte den Austausch untereinander jedoch sehr spannend. Im Modul Estimation for Navigation vertieften wir zuerst die bekannte Least-Squares Ausgleichung und lernten dann den Kalman Filter kennen. In Optical Imaging Metrology stand die Bündelblockausgleichung, die Kalibrierung von Kameras und Laserscannern sowie die Analyse von Punktwolken im Vordergrund. Neben der Theorie waren auch die praktischen Aspekte des gelernten wichtig und konnte in grösseren Übungen umgesetzt werden. Dank dem Vertiefungsprojekt war ich vollständig in die Forschungsgruppe unter der Leitung von Prof. Derek Lichti integriert, die sich mit Laserscannern und Range Cameras für unterschiedlichste Anwendungen auseinandersetzt. In meinem Projekt ging es um die Tauglichkeit von Time-of-Flight Range Cameras für die Auswertung von Erdbebensimulationen im Labor.
Experiment Vertiefungsprojekt
Zusammen mit einem Doktoranden aus dem Bauingenieurwesen wurden Mauern mit unterschiedlichen Verputzen auf einem Rütteltisch auf ihre Stabilität hin untersucht. Dank dem Einsatz der Kameras war es für die Bauingenieure möglich, flächendeckende 3D-Daten von den dynamischen Experimenten zu haben.

Das Semester war einiges strenger als erwartet, da bereits die zwei Kurse einem Vollzeitpensum entsprechen würden. Trotzdem (oder gerade deswegen) haben sich meine Erwartungen an das Auslandssemester aber mehr als erfüllt. Die Module waren sehr lehrreich und eine gute Ergänzung zu denjenigen des MSE in Muttenz und Zürich. Auch das Forschungsprojekt und die Zusammenarbeit mit den anderen Teammitgliedern brachte mir neue Einblicke. Zudem zeigte mir das Semester, dass man sich als Fachhochschul-Student auch im internationalen Vergleich nicht verstecken muss! Ich kann es allen nur empfehlen, eine solche Möglichkeit zu nutzen und sich für ein Semester ins Ausland zu begeben. An dieser Stelle möchte ich mich bei der Instituts- und Studiengangsleitung für die Unterstützung und ihr Entgegenkommen bedanken und mir so dieses Semester ermöglicht haben.
David Holdener

Mittwoch, 16. März 2016

Mein Auslandsjahr in Deutschland

Von Andrea Koch, BSc Studierende im 4. Semester

Mein Weg nach Hamburg 

International Studierende während der Welcome Week
Gegen Ende des ersten Semesters an der FHNW suchte ich den Kontakt mit Herrn Gottwald und Frau Shultis (Erasmus-Beauftragte), um meine Idee zu besprechen. Beide waren erfreut und haben mich bestens unterstützt. Ich habe mich informiert, wie das Anmeldeverfahren in Hamburg abläuft und was alles zu tun ist. Da die HafenCity Universität in Hamburg (HCU) eine Partnerhochschule der FHNW ist, vereinfachte sich das Anmeldeverfahren. Als erstes musste mich die FHNW bei der HCU nominieren. Daraufhin bekam ich alle Informationen der HCU bezüglich der Bewerbung. Diese lief problemlos ab, ich musste einige Dokumente ausfüllen, ein Motivationsschreiben aufsetzen und ein Learning Agreement erstellen. Darin wird geregelt, welche Kurse besucht werden und was angerechnet wird.
Ende Mai bekam ich dann einen definitiven Bescheid, dass ich angenommen  worden sei. Frau Shultis hat für mich alles mit dem Erasmus-Ersatzprogramm geregelt, was auch problemlos klappte.
Lange hab ich mir überlegt, ob ich in ein Studentenwohnheim möchte oder doch lieber eine WG suche. Ich denke, die Entscheidung kann weder falsch noch richtig sein, und habe mich für eine WG entschieden. Die Wohnungen sind in Hamburg vergleichsweise teuer und es war nicht einfach, ein Zimmer aus der Ferne zu finden. Ich hatte aber Glück und fand ein möbliertes Zimmer genau für die gewünschte Zeit.

Die ersten Tage 

Bevor das eigentliche Semester in Hamburg begann, wurde von der HCU eine Welcome Week organisiert. Dort taffen sich alle internationalen Studierenden und es gab viele Informationen zur Uni, zum Leben in Hamburg und Deutschland und was wir alles noch zu erledigen hatten. So mussten wir uns beim Einwohneramt anmelden, denn nur mit dessen Bestätigung kann man ein Bankkonto eröffnen. Als Schweizerin musste ich zudem eine Aufenthaltsbewilligung beantragen. Das International Office der HCU war dabei sehr hilfsbereit und bemühte sich, einen reibungslosen Start zu ermöglichen. Während dieser Woche wurde mir auch mitgeteilt, dass ich aus allen Bachelor-Kursen frei wählen dürfe, was ich besuchen möchte. Das brachte mein Learning-Agreement nochmals durcheinander, denn ich meldete mich für Kurse aus dem dritten und fünften Semester an. Dabei konnte ich meinen Stundenplan selbst zusammenstellen. Natürlich musste ich darauf achten, dass keine zwei Veranstaltunge gleichzeitig stattfinden, was nicht ganz einfach war. Mein Stundenplan bestand aus den bekannten Grundlagenfächern wie Ausgleichungsrechnung, dazu kamen speziellere Kurse wie Hydrographie, Geologie und Ortsplanung. Insgesamt kam ein sehr abwechslungsreiches Programm zusammen.

Das erste Semester im Rückblick 

Die HCU bei Sonnenuntergang
Ich dachte, am Anfang wird es bestimmt schwer sein, sich im neuen Uni-Alltag zurecht zu finden. Doch ich kannte schon einige Leute (unter anderem auch Schweizer) aus der Welcome Week und die Hamburger Studenten waren sehr offen und hilfsbereit. So fand ich schnell Anschluss und fühlte mich bald wohl. Die HCU ist mit ca. 1700 Studierenden eine kleine Uni und meiner Ansicht nach sehr familiär. Die Mensa ist übersichtlich, meist ist das Essen lecker und das Preis-Leistungs-Verhältnis ist, wie ich finde, top.
Auch das Leben in Hamburg gefällt mir. Die Stadt ist einiges grösser als Basel und ich brauchte etwas Zeit, bis ich mich zurecht fand. Es ist faszinierend, wie lange man von einer Ecke zur anderen fahren kann und nie hört die Stadt auf ;-) Von der Universität Hamburg wird ein riesiges Sportangebot angeboten. Dort habe ich mich oft ausgetobt und auch einen Kletterkurs absolviert. Für das Sommersemester habe ich mir vorgenommen, einen Segelkurs zu machen, schliesslich sind die Bedingungen hier perfekt.
Meine Kurswahl brachte auch einen Nachteil mit sich: Manchmal wurden aus organisatorischen Gründen Kurse um zwei Stunden verschoben, so dass ich nicht teilnehmen konnte, weil ich zu der Zeit einen anderen Kurs belegte. Da bei diesem Kurs aber keine Anwesenheitspflicht bestand, war es nicht weiter schlimm. Für mich war es toll, dass ich mit zwei verschiedenen Semestern Vorlesungen hatte, so konnte ich viele Leute kennenlernen und mehr profitieren.

Zwischenfazit und Ausblick

Mit dem ersten Semester bin ich zufrieden, ich habe in den meisten Kursen viel gelernt, gleichzeitig aber ebenso erlebt, dass es auch unbefriedigende Kurse gibt, was frustrierend ist. Es gibt hier während des Semesters keine Prüfungen. Das hat den Vorteil, dass man nicht gezwungen ist, Stoff zu wiederholen und zu vertiefen und sich stattdessen auf Hausarbeiten und Praktikumsberichte konzentrieren kann. Doch der grosse Nachteil ist, dass man je nach Selbstinitiative zu wenig tut und ohne Vornote die Abschlussprüfung schreiben muss. Gerade ist die Prüfungsphase vorbei und schon geht es wieder los mit der Kurswahl für das Sommersemester. Ich habe mir wieder ein spannendes Programm zusammengestellt mit Veranstaltungen wie Kartographie, Geodätische Netze, Geodateninfrastruktur und Photogrammetrie. Hier geht es erst anfangs April wieder los, bis dahin geniesse ich die Semesterferien und möchte noch einiges besuchen in Hamburg. So stehen das Miniaturwunderland und einige Museen auf der To-do-Liste.
Ich fühle mich wohl hier in Hamburg. Klar, Momente des Zweifels gibt es, aber das Leben hier macht Spass. Ich konnte schon vieles Erleben, sehen und kennenlernen. Ja, durch dieses Auslandjahr habe ich mein en persönlichen Horizont erweitert und mich weiterentwickelt. Ich kann es allen empfehlen diesen Schritt auch zu machen – es lohnt sich garantiert!